Gewässerqualität
Vor langer Zeit beschlossen die Mitgliedsstaaten der EU, die Qualität ihrer Gewässer zu verbessern. Dazu haben sie sich Regeln auferlegt, wie z. B. die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die zeitlichen Ziele dafür wurden regelmäßig verfehlt, und nun läuft die letzte Frist bis 2027. Um einen „guten ökologischen Zustand“ zu erreichen, sind vor allem folgende Faktoren maßgeblich:
- Biologie (Fische, Wasserpflanzen, Kleinstlebewesen)
- Gewässerstruktur (Durchgängigkeit, Ufergestaltung)
- Chemisch-physikalische Werte (z. B. Sauerstoff, Nährstoffe, Sedimente)
Mühlenrückbau
Aktuell geht das Wasserwirtschaftsamt davon aus, dass das erste Ziel automatisch erreicht wird, wenn das zweite umgesetzt wird. Der dritte Faktor wird derzeit vernachlässigt, da er zu komplex erscheint und hier vor allem mit erheblichen Widerständen zu rechnen ist. Die Gegner wären die Landwirtschaft (Sediment- und Düngereinträge), die Kommunen (Kläranlagen) sowie Gewerbegebiete und Staatsstraßen.
Die Querbauwerke sind dagegen zu über 90 % ohnehin in öffentlicher Hand. Der Rest entfällt hauptsächlich auf Mühlen in Privatbesitz mit schwacher Lobby, die per Bescheid einfach überzeugt oder gegebenenfalls genötigt werden können. Daher sollen bis 2027 alle Triebwerksbetreiber per Bescheid gezwungen werden, eine Durchgängigkeit nachzuweisen oder herzustellen. Das bedeutet, dass jeder, der sein Wasserrecht behalten möchte, nun eine Fischaufstiegs- und -abstiegshilfe (Fischtreppe) errichten muss. Die Kosten hierfür liegen je nach Größenordnung zwischen 75.000 € und 1 Mio. €.
Da diese Anforderungen erheblich und die Auswirkungen eines Rückbaus unklar sind, veranstaltet das WWA Bayern in Lengdorf den Modellversuch FREIFLISEN. Die zwei alten Mühlen am Mühlbach in Lengdorf haben ihre Betriebsrechte verwirkt und sind längst in den Händen von Erben. Da sie aber noch ein eingetragenes Wasserrecht besitzen, müssen sie nun die Herstellung der Durchgängigkeit und gegebenenfalls den Rückbau finanzieren, was Kosten in voraussichtlich mittlerer sechsstelliger Höhe verursacht. Wer das Geld nicht liquide hat, muss seine Immobilien beleihen oder verkaufen.
Da kommt ein Angebot des WWA gelegen, vereinfacht ausgedrückt: Wer sein Wasserrecht abgibt, muss nur die geringeren Abbruchkosten zahlen; der Rest der Maßnahme wird vom Freistaat im Rahmen einer Renaturierung getragen. Für die meisten Kleinkraftwerke in Bayern ist dies vermutlich die letzte Rettung vor der kalten Enteignung.
Nur nebenbei sei erwähnt, dass der WWF vermutlich aus Marketinggründen mitwirkt. Auch wenn es heißt, er würde mitfinanzieren, so ist der Anteil verschwindend gering und die Anforderungen sind so hoch, dass dies noch nie in Anspruch genommen wurde.

Was könnte das für Lengdorf bedeuten?
In einem leider nur zufällig gefundenen Fachartikel der „Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall“ (DWA) wird ausgeführt, was das konkret für Lengdorf bedeuten könnte. So würde das alte Ausleitungswehr (für Einheimische: das mit dem Kran) zwischen Furtarn und Reith in eine Rampe umgewandelt. In der Folge wird angenommen, dass der Pegel in Furtarn um bis zu 1,5 Meter absinken könnte.
Zitat: „Hierdurch kann es potenziell zu Setzungen und damit Schäden an der anliegenden Bebauung durch sinkende Grundwasserverhältnisse kommen.“ Die Ausleitung der Isen von hier bis zur Mündung des Mehnbachs durch die Gerstmühle würde geschlossen und aufgefüllt werden.
Sämtliches Hochwasser müsste dann durch die Schleife am Eschbaum fließen. Auch die Hochwasserentlastung von der Wiesmühle in Richtung Eschbaum würde verschwinden. Da der Mühlbach nun nur noch vom Mehnbach gespeist wird, soll auch dieser so weit wie möglich renaturiert werden. Betoneinfassungen sollen abgebrochen und das Bachbett aufgefüllt werden.
Das WWA verfügt über Daten und Software, um Hochwassersituationen zu simulieren. Hier ist bislang jedoch nur HQ100 (hundertjähriges Hochwasser) ohne Zuschlag dokumentiert (HQ extrem wäre noch wichtig). Man geht davon aus, dass es im Gebiet der Mündung des Mehnbachs Bereiche gibt, in denen sich die Hochwassersituation etwas verschlechtert. Zitat: „Im besiedelten Ortskern von Lengdorf sind selbst die überfluteten Gebiete, wenn überhaupt, mit nur minimalen Aufstauhöhen von wenigen Zentimetern beaufschlagt.“ Das sehen die Gemeindeverwaltung und ich kritischer. Auch hier wird der Zuschlag nicht erwähnt, und wenige Zentimeter im Ortskern, Eschbaum, Mühlanger oder Rottanger entscheiden darüber, ob der Keller vollläuft oder nicht.
Grundwasser Absenkung
Alle Maßnahmen hätten vermutlich eine Absenkung des unmittelbaren Grundwasserspiegels in den angrenzenden Gebieten zur Folge. Zitat: „Hierdurch kann es potenziell zu Setzungen und damit Schäden an der anliegenden Bebauung durch sinkende Grundwasserverhältnisse kommen„. Das halte ich für eine sehr gravierende Folge, und die Aussage „kaum Bebauung vorhanden“ mag für das WWA in einer gesamtbayerischen Betrachtung stimmen, für uns in Lengdorf sind jedoch ganze Ortsteile davon betroffen.

Quelle: Artikel aus Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2025 (18) · Nr. 5
Wann kommen die Bagger?
Jetzt wird zunächst gemessen: Temperatur und vermutlich auch Grundwasserpegel. Nach meiner Einschätzung sind dafür die Daten von mindestens einem Jahr erforderlich, vermutlich sogar eines längeren Zeitraums. Parallel wird weitergeplant, und genau hier setzt mein Unmut an, obwohl in der Präsentation in Dorfen wiederholt versprochen, sehe ich keine Beteiligung der Betroffenen: Anwohner, Hochwasseropfer, Gemeinde, Mühlen, Fischer usw.
Schreibt, fragt nach und mahnt eure Beteiligung an:
Wasserwirtschaftsamt München
Katharina Wilhelm
freiflisen@wwa-m.bayern.de
Heßstraße 128 80797 München
Gemeinde Lengdorf
Bürgermeisteramt
Bischof-Arn-Platz 1
84435 Lengdorf
Auf Wunsch stelle ich den Artikel aus „Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2025 (18) · Nr. 5“ zur Verfügung.
Autor: Jens Gloede, Gemeinderat – Hammerstattmühle – Engagiert im Hochwasserschutz
Anmerkung: Die mit Namen gekennzeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die Ansicht der Wählergruppe wieder, sondern sind zunächst die persönliche Meinung des Autors/der Autorin.