Gerade jetzt in der Wahlkampfzeit höre ich immer wieder von den Lokalpolitikern hier in Lengdorf, wie erfolgreich wir hinsichtlich des Themas Digitalisierung vorangehen. Stolz wird darauf verwiesen, dass die letzten Jahre im Gemeindegebiet einige Kilometer Glasfaser in der Erde versenkt wurden. Doch wenn ich mir anschaue, wie wir dieses Werkzeug tatsächlich nutzen, bin ich eher enttäuscht.
Für mich ist Digitalisierung in der Gemeinde kein reines Tiefbauprojekt. Es ist ein Gestaltungsauftrag für echte Bürgerbeteiligung. Aber genau davor scheint man in unserem Rathaus und im Gemeinderat Lengdorf scheinbar noch eher Angst zu haben. Wir legen zwar Kabel in den Keller, aber wir schalten den Mut zur Transparenz in den Köpfen einfach auf „Offline“. Damit erliegen wir einer klassischen Infrastruktur-Lüge! Denn was bringt uns die schnellste Datenautobahn, wenn wir am Ende der Leitung dieselben Strukturen und Prozesse vorfinden wie vor 30 Jahren?
VERPASSTE CHANCEN
Ich frage mich zum Beispiel: Warum nutzen wir die Technik nicht endlich, um unsere Gemeinderatssitzungen virtuell zu übertragen? Es ist gesetzlich möglich und technisch ein Kinderspiel. Selbst die moderneren Ansätze für hybride Sitzungsmodelle wurden dank einer Änderung der Gemeindeordnung in Bayern bereits 2021 möglich. Andere Kommunen im Landkreis machen es uns doch sogar vor. Der Kreistag Pfaffenhofen a.d.Ilm streamt seine Sitzungen, einige Städte wie zum Beispiel Augsburg und München sind dabei, und selbst das Sozialparlament des Bezirks Oberbayern überträgt seine Plenarsitzungen. Warum hinken wir in Lengdorf hinterher?
MEHR MACHEN STATT MORALKEULE SCHWINGEN
Mein Eindruck ist: Man will es womöglich gar nicht. Ich habe die Sorge, dass hier schlichtweg die Angst vor dem direkten Kontakt und der Kritik der Bürger regiert. Was mich insgesamt jedoch wirklich ärgert, ist die in meinen Augen absolut unangebrachte Moralkeule, die in der großen Politik ja oft geschwungen wird (Beispiel „Teilzeit-Lifestyle“, „zu hohe Krankenstände“ usw.) und die ich in Teilen auch hier in Lengdorf wahrnehme. Da wird über „Politikverdrossenheit“ geschimpft und beklagt, dass sich niemand mehr informiert. Es wird sich moralisch über die BürgerInnen echauffiert, anstatt endlich mal selbst an die Arbeit zu gehen und die notwendigen Rahmenbedingungen anzupacken.
Denn mal ehrlich: Wir leben im Jahr 2026. Wenn wir wollen, dass sich Menschen für lokale Politik interessieren, müssen wir die Hemmschwelle senken! Warum gibt es keinen QR-Code im Amtsblatt, der direkt zu den Sitzungsprotokollen führt? Wer Informationen hinter komplizierten Menüs versteckt, verhindert aktiv die Teilhabe.
Zudem steckt unser Ehrenamt in der Vergangenheit fest. Wir wollen junge Menschen für den Gemeinderat gewinnen, verlangen aber eine Präsenzpflicht wie im letzten Jahrhundert. Ob Dienstreise oder krankes Kind – eine virtuelle Teilnahme an Gemeinderatssitzungen sollte längst Standard sein, um die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf zu fördern.
Mein Fazit: Digitalisierung ohne Demokratisierung lässt massiv Potenzial liegen! Wir als LOS-Grüne-SPD wollen das ändern. Wir stehen wirklich für eine bürgernahe Politik, die Glasfaser nutzt, um euch möglichst einfach teilhaben zu lassen.
Jetzt seid ihr gefragt! Wie seht ihr das? Würdet ihr einen Live-Stream aus dem Gemeinderat nutzen? Schreibt mir eure Meinung gerne direkt per E-Mail an christin.wirfler@los-gruene-spd.de oder kontakt@los-gruene-spd.de.
Autorin: Christin Wirfler
Anmerkung: Die mit Namen gekennzeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die Ansicht der Wählergruppe wieder, sondern sind zunächst die persönliche Meinung des Autors/der Autorin.